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Denke Global - Handle Lokal

In unserer globalisierten Welt ist Ernährung schon lange keine Privatsache mehr. Denn unser individueller Nahrungsmittelkonsum hat konkrete Auswirkungen auf Menschen, Klima und Umwelt in allen Ländern der Erde.

Wir entscheiden über den Hunger in der Welt

Die sozial gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln hat eine Schlüsselfunktion im Kampf gegen den Hunger in der Welt. Schätzungen der UN zufolge leiden im Jahr 2015 ca. 795 Mio. Menschen weltweit an Hunger. Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind an dessen Folgen.

Gleichzeitig werden weltweit ca. 30% mehr Getreide pro Jahr geerntet als für die ausreichende Nahrungsmittelversorgung aller Menschen überhaupt benötigt wird. Vollständig und effektiv eingesetzt könnte die globale Getreideernte (darunter auch Mais und Soja) 12-14 Milliarden Menschen ernähren. Jedoch dienen rund 54% der Weltgetreideproduktion nicht der menschlichen Ernährung, sondern werden als Tierfutter (34%) genutzt. Darüber hinaus werden 20% als Treibstoff sowie für industrielle Zwecke genutzt.

Besonders die Nutzung als Tierfutter ist nachweislich ineffizient und eine Verschwendung wertvoller Lebensmittel in Zeiten einer wachsenden Weltbevölkerung. Ein Tier verstoffwechselt 65–90% der verzehrten Futtermenge direkt, sodass nur 10–35% der aufgenommenen pflanzlichen Energie in Form tierischer Erzeugnisse (Fleisch, Milch, Eier) gewonnen werden.

So können auf einer 4 Hektar großen Weidefläche entweder Sojabohnen oder Weizen angebaut werden, welche 61 (bei Sojabohnen) oder 24 (bei Weizen) Menschen ernähren könnten. Durch den Umweg über tierische Produkte werden lediglich zwei Menschen satt.

Schätzungen der UN zufolge beanspruchen Nutztierhaltung und Futtermittelproduktion ca. 70% der globalen Äcker und Weiden.

Der Hunger von 795 Mio. Menschen ist also keine Ursache mangelnder Ressourcen, sondern vielmehr ein Problem falscher Nutzung und ungerechter Verteilung dieser. Viele der weltweiten Futtermittel werden in jenen Ländern angebaut, in denen die meisten Menschen von Hunger bedroht sind. Die Hauptanbaugebiete der in die EU und die USA importierten Futtermittel befinden sich in Südamerika, im subsaharischen Afrika, dem Nahen Osten und Asien. Damit beraubt der Westen unmittelbar die armen Länder des größten Teiles ihrer Lebensmittelproduktion, der stattdessen an die westlichen Nutztiere verfüttert wird.

Unsere „Nutztiere“ stellen damit eine erhebliche Nahrungsmittelkonkurrenz für den Menschen dar.

Wir entscheiden über globalen Landraub und die Verletzung von Menschenrechten

Um ihre landwirtschaftlichen Großprojekte voranzutreiben, beraubt die wachsende Futtermittel- und Fleischindustrie in Zusammenarbeit mit den Regierungen der Länder Bauern und indigene Gemeinschaften ihres traditionellen Zugangs zu Ackerland, Wasser und Wäldern. Dieser Landraub ist eine Missachtung von Menschenrechten und führt zu wachsender Ernährungsunsicherheit, da den betroffenen Menschen auf diese Weise ihre Lebensgrundlage entzogen wird.

Dort wo die Investoren das Land nicht direkt von der Regierung kaufen oder pachten können, kaufen sie den ansässigen Kleinbauern das Land zwar direkt ab – jedoch wenden sie dafür häufig Drohungen an und der „Kaufpreis“ ist meist so gering (in der Regel nur wenige Dollar pro Hektar), dass die Bauern sich mit diesem Geld keine neue Existenz aufbauen können und als Tagelöhner in die Slums der Städte ziehen müssen.

Rund 44% dieser privaten Finanzinvestoren sind europäische Konzerne. Sie zerstören bewusst die wirtschaftlichen und sozialen Infrastrukturen der lokalen Gemeinschaften, um ihren eigenen Profit zu steigern – ohne Rücksicht auf Verluste. Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling nennt das: „Landgrabbing mit Messer und Gabel“

Das von den Konzernen erworbene Land wird in große Intensivanbauflächen verwandelt, auf denen hektarweit reine Monokulturen (hauptsächlich Mais und Soja) angebaut werden – mit erheblichen Schäden für die Umwelt.

Wir beeinflussen den Klimawandel

Die globale Viehwirtschaft verursacht ca. 18% aller CO²-Emissionen und leistet so einen großen Beitrag zum Klimawandel. Die Vieh- und Futtermitteltransporte, die Traktoren für den landwirtschaftlichen Betrieb, Strom, Wärmegewinnung sowie die Herstellung von Düngemitteln tragen damit erheblich zum Klimawandel bei.

Allein die Herstellung und Verwendung von weltweit 125 Mio. Tonnen Dünger pro Jahr für die Futtermittelindustrie setzt 800 Mio. Tonnen CO² frei.

Die Milliarden Rinder, Schweine, Schafe und Co. der Fleischindustrie stoßen darüber hinaus riesige Mengen Methan aus. Methan ist ebenfalls ein Treibhausgas. Es ist 20-25 mal schädlicher als CO² und trägt damit maßgeblich zur globalen Erwärmung bei. Die Konzentration dieses gefährlichen Gases in der Atmosphäre ist heute 3 mal höher als noch vor 100 Jahren. 

Wir können die Umwelt schützen – oder sie weiter zerstören

Wald

90% der globalen Sojaernte werden als Futtermittel genutzt. Hierfür werden nicht nur wertvolle bestehende Ackerflächen genutzt, sondern aufgrund der steigenden Nachfrage der Viehindustrie jedes Jahr weitere 6.200 km² an Regenwald abgeholzt – das ist eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland. Der einseitige Anbau von Monokulturen und der intensive Einsatz von Pestiziden zerstört die Fruchtbarkeit des Bodens darüber hinaus langfristig und weit über die Anbauflächen hinaus.

Die abgeholzte Fläche wird neben dem Sojaanbau außerdem für die Rinderzucht genutzt. Folgen der Waldrodung sind vor allem Bodenerosion und Überschwemmungen. Regenwasser wird nicht mehr von den Wurzeln der Bäume aufgenommen, sondern schwemmt den fruchtbaren Mutterboden komplett aus und spült ihn in die Flüsse und Meere. Der Boden verliert auch dadurch seine Fruchtbarkeit nahezu unwiederbringlich. Gleichzeitig kommt es durch die Sandablagerung in den Flüssen und Meeren zu negativen Auswirkungen auf die dortigen Ökosysteme, z.B. Korallenriffe.

Bereits 20% der tropischen Regenwälder sind weltweit unwiederbringlich zerstört – mit verhehrenden Auswirkungen auf die dortige Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht unseres Planeten.

Wasser

Weltweit werden rund 1,7 Milliarden Rinder und Schweine als Nutztiere gehalten – vorwiegend in Massentierhaltungsanlagen. Diese Tiere produzieren jährlich Millionen Tonnen an Kot und Urin, den es zu entsorgen gilt. Ein Großteil davon wird als Gülle auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgebracht.

Da die Mengen aber viel zu hoch sind, um von den Böden verarbeitet zu werden kommt es zu einer Überdüngung, so dass zu hohe Phosphat- und Nitrat-Mengen den Boden verseuchen anstatt ihm zu nützen. Überschüssige Mengen dieser Stoffe gelangen über Flüsse in die Meere der Welt, wo sie das Wachstum von Algen und Bakterien anregen, bis der Sauerstoffgehalt im Meerwasser aufgebraucht ist und führen so zu einem erheblichen Artensterben. Das ökologische Gleichgewicht wird zerstört. In der Ostsee, zwischen Irland und England sowie im Mittelmeer gibt es bereits solche verseuchten Zonen, in denen es so gut wie keine Fische mehr gibt.

Wenn Nitrate darüber hinaus ins Trinkwasser gelangen, kann das erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Nitrat wird im menschlichen Organismus in Nitrosamine verwandelt und erhöht das Krebsrisiko. Bei Säuglingen kann es zum Ersticken führen.

Allein in Deutschland überschreitet der Nitratgehalt an rund der Hälfte der Messstellen den geltenden Grenzwert von 50 mg/Liter.

Die Viehindustrie stellt damit nicht nur eine Gefahr für die Umwelt und die Menschen in anderen Ländern dar, sondern auch für ihre eigenen Konsumenten in den Industrieländern!

Darüber hinaus setzt besonders die Gülle von Rindern Ammoniak frei, was zu einer Versauerung und Nährstoffüberbelastung von Böden und Gewässern führt. Schwermetalle werden freigesetzt und schädigen ebenfalls Böden und Grundwasser.

 

All diese Dinge können nur geschehen, weil die Viehindustrie sich durch Werbung, Mythen um gesunde Ernährung und billige Produkte einen großen Absatzmarkt geschaffen hat. Würden wir diese Produkte nicht mehr konsumieren, wäre die Welt um ein paar Probleme ärmer und die Zukunft unserer Kinder sicherer.

Werde Dir Deiner Verantwortung und Deiner Möglichkeiten bewusst. Go vegan – für die Menschen, die Tiere und den Planeten!

 

 

Literatur

www.weltagrarbericht.de

www.boell.de/de/fleischatlas

www.wwf.de/2015/april/das-grosse-fressen/

Clements, Kath (2010): Vegan. Über Ethik in der Ernährung & die Notwendigkeit eines Wandels. Göttingen: Echo Verlag.

FIAN Fact Sheet 2012/11: Der globale Landraub. Die Rolle der europäischen Union. www.fian.de/fileadmin/user_upload/dokumente/shop/Land_Grabbing/fs2012-11_globLandgrab_EUfinal_screen.pdf

Robbins, John (2012): Letzter Ausweg vegan. Warum wir jetzt eine Ernährungsrevolution brauchen, um unsere Zukunft zu bewahren. Emmendingen: Hans-Nietsch-Verlag.

TAZ – Die Tageszeitung (24.10.2013): Gefährliches Nitrat im Trinkwasser.

www.taz.de/!5056524/

Welthungerhilfe (2015): Faktenblatt Hunger – Ausmass, Verbreitung, Ursachen.

www.welthungerhilfe.de/ueber-uns/mediathek/whh-artikel/hunger-die-haeufigsten-fragen-1.html


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